Stellen Sie sich vor, jemand sucht abends mit dem Handy nach einem Angebot wie Ihrem. Die Schrift ist grau auf weiß, die Buttons sind winzig, das Formular verlangt etwas, das nirgends erklärt wird. Manche Besucher geben dann auf, ohne dass Sie je davon erfahren.
Barrierefreiheit klingt nach Gesetz und Technik. Im Kern bedeutet sie aber nur: Möglichst viele Menschen können Ihre Seite gut nutzen. Das nützt auch Besuchern ohne Einschränkung, denn wer unterwegs oder im grellen Licht auf das Handy schaut, hat ähnliche Hürden.
Mit dieser Checkliste prüfen Sie in etwa einer halben Stunde, wo Ihre Website heute steht. Sie brauchen dafür keine Vorkenntnisse.
Kurz gesagt
Zehn Punkte entscheiden viel: gut lesbare Farben, saubere Überschriften, Bildbeschreibungen, Bedienung per Tastatur, verständliche Links und Formulare, Zoom bis 200 %, Untertitel, einfache Sprache und eine gute Handy-Bedienung. Jeder Punkt lässt sich mit einem kurzen Test selbst prüfen.
In diesem Beitrag
- 1. Kontrast: Lässt sich der Text gut lesen?
- 2. Überschriften: Ist die Seite logisch gegliedert?
- 3. Bilder: Haben sie Beschreibungstexte?
- 4. Tastatur: Lässt sich alles ohne Maus bedienen?
- 5. Links und Buttons: Sind sie verständlich beschriftet?
- 6. Formulare: Ist klar, was einzugeben ist?
- 7. Vergrößern: Bleibt die Seite bei 200 % benutzbar?
- 8. Videos und Audio: Gibt es Untertitel oder einen Text?
- 9. Sprache: Ist alles leicht verständlich?
- 10. Handy und Farben: Stimmt die Bedienung unterwegs?
- Muss meine Website das überhaupt?
- Dranbleiben: regelmäßig testen und die Erklärung nicht vergessen
1. Kontrast: Lässt sich der Text gut lesen?
Graue Schrift auf hellem Grund sieht edel aus, ist aber für viele Menschen schwer zu lesen, nicht nur bei einer Sehschwäche, sondern auch am Handy in der Sonne. Als Richtwert gilt: Normaler Text braucht einen Kontrast von mindestens 4,5 zu 1 zum Hintergrund.
So prüfen Sie es: Geben Sie die beiden Farbwerte in einen kostenlosen Kontrast-Rechner ein (zum Beispiel den „WebAIM Contrast Checker“). Oder drehen Sie die Helligkeit Ihres Handys herunter und schauen, ob Sie noch alles lesen können.
2. Überschriften: Ist die Seite logisch gegliedert?
Überschriften sind wie ein Inhaltsverzeichnis. Menschen mit Vorlese-Programm springen von Überschrift zu Überschrift, um sich zu orientieren. Deshalb sollte es pro Seite eine Hauptüberschrift geben und darunter sinnvoll gegliederte Zwischenüberschriften. Eine Überschrift sollte nicht nur deshalb gewählt werden, weil sie größer aussieht.
So prüfen Sie es: Lesen Sie nur Ihre Überschriften nacheinander. Erzählen sie die Geschichte der Seite? Dann passt es.
3. Bilder: Haben sie Beschreibungstexte?
Wer ein Bild nicht sehen kann, hört stattdessen den Alt-Text („Alternativtext“). Er sollte kurz sagen, was auf dem Bild wichtig ist, zum Beispiel „Inhaberin am Schreibtisch im Gespräch mit einem Kunden“. Reine Dekoration (etwa ein Zierstrich) braucht keinen Text, sollte aber als Dekoration markiert sein.
So prüfen Sie es: In WordPress sehen Sie den Alt-Text in der Mediathek bei jedem Bild. Fehlt er, ist das schnell nachgetragen.
4. Tastatur: Lässt sich alles ohne Maus bedienen?
Nicht alle Menschen können eine Maus benutzen. Sie navigieren mit der Tab-Taste durch die Seite. Dabei muss man jederzeit sehen können, wo man gerade ist (ein sichtbarer Rahmen um das aktive Element), und alles Wichtige muss erreichbar sein: Menü, Buttons, Formulare.
So prüfen Sie es: Legen Sie die Maus beiseite und drücken Sie auf Ihrer Startseite mehrfach die Tab-Taste. Springt der Rahmen sichtbar weiter? Kommen Sie ins Menü, zum Kontaktformular und wieder heraus?
5. Links und Buttons: Sind sie verständlich beschriftet?
„Hier klicken“ oder „Mehr“ sagt jemandem, der nur die Links vorgelesen bekommt, gar nichts. Besser sind Beschriftungen, die für sich allein Sinn ergeben, etwa „Kostenloses Erstgespräch buchen“ oder „Leistungen im Überblick“.
So prüfen Sie es: Suchen Sie auf Ihrer Seite nach „hier“ und „mehr“ und ersetzen Sie, was Sie finden, durch eine klare Beschriftung.
6. Formulare: Ist klar, was einzugeben ist?
Jedes Feld braucht eine sichtbare Beschriftung, die dauerhaft stehen bleibt (nicht nur als Platzhalter im Feld, der beim Tippen verschwindet). Pflichtfelder sollten als solche erkennbar sein, und eine Fehlermeldung muss sagen, was falsch ist und wie es richtig geht.
So prüfen Sie es: Schicken Sie Ihr eigenes Kontaktformular absichtlich unvollständig ab. Verstehen Sie sofort, was fehlt?
7. Vergrößern: Bleibt die Seite bei 200 % benutzbar?
Viele Menschen vergrößern Seiten im Browser oder stellen eine größere Schrift ein. Dabei darf nichts abgeschnitten werden oder übereinanderliegen, und es darf kein Text verschwinden.
So prüfen Sie es: Drücken Sie am Computer mehrmals „Strg“ und „+“, bis 200 % erreicht sind. Prüfen Sie Menü, Texte und Buttons.
8. Videos und Audio: Gibt es Untertitel oder einen Text?
Wer nicht hören kann, braucht Untertitel. Wer nicht sehen kann, profitiert von einem Text, der den Inhalt wiedergibt. Auch Menschen, die im Zug ohne Ton schauen, freuen sich darüber.
So prüfen Sie es: Schauen Sie ein eigenes Video einmal ohne Ton an. Verstehen Sie die wichtigste Aussage?
9. Sprache: Ist alles leicht verständlich?
Kurze Sätze, bekannte Wörter und eine klare Gliederung helfen allen, auch Menschen mit Lernschwierigkeiten oder wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Außerdem sollte im Hintergrund der Website die richtige Sprache („Deutsch“) eingestellt sein, damit Vorlese-Programme korrekt aussprechen.
So prüfen Sie es: Lesen Sie Ihre Startseite laut vor. Wo stolpern Sie?
10. Handy und Farben: Stimmt die Bedienung unterwegs?
Buttons und Links müssen am Handy groß genug sein, damit man sie mit dem Finger trifft. Wichtige Hinweise dürfen nicht nur über Farbe laufen (zum Beispiel ein rot markiertes Feld ohne Text), denn nicht jeder sieht Farben gleich.
So prüfen Sie es: Bedienen Sie Ihre Seite am Handy mit nur einer Hand. Treffen Sie alles beim ersten Mal?
Muss meine Website das überhaupt?
Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es betrifft bestimmte Produkte und Dienstleistungen, die Verbraucher online nutzen, etwa Online-Shops oder Buchungssysteme. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Ob das auf Sie zutrifft, ist im Einzelfall zu klären, eine Rechtsberatung ersetzt dieser Beitrag nicht. Unabhängig davon lohnt sich eine barrierefreie Website: Sie erreichen mehr Menschen und wirken vertrauenswürdig.
Dranbleiben: regelmäßig testen und die Erklärung nicht vergessen
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern sollte bei neuen Inhalten und Funktionen immer wieder mitgedacht werden. Für einen ersten Eindruck gibt es kostenlose Prüfprogramme, zum Beispiel „WAVE“ oder den Lighthouse-Test im Chrome-Browser. Sie finden aber nur einen Teil der Probleme. Den Rest erkennt man erst, wenn man die Seite wirklich bedient, etwa mit dem Tastatur-Test aus Punkt 4.
Für bestimmte Unternehmen und digitale Angebote ist außerdem eine Erklärung zur Barrierefreiheit verpflichtend. Auch darüber hinaus schafft sie Transparenz: Sie zeigt, wie barrierefrei Ihre Website schon ist und woran noch gearbeitet wird. Ein Beispiel finden Sie in meiner eigenen Barrierefreiheitserklärung.
Übrigens: Plugins, die mit einem Klick „alles barrierefrei“ machen sollen (sogenannte Overlays), lösen die eigentlichen Ursachen meist nicht.
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Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo Ihre Seite steht und was als Nächstes sinnvoll ist. Persönlich und ohne Verkaufsdruck.